Sonntag, 28. Februar 2010
Samstag, 27. Februar 2010
Der Mutterhund
Ich werde dir zeigen, wie du immer, wenn du einschläfst, sicherstellst, dass du hier, in unserem Lager, landest. Und das musst du verstanden haben, bevor du aufwachst, sonst geht nämlich die ganze Sucherei wieder von vorne los. Verstanden, Zorban?“ Ich glotzte verständnislos. „ZORBAN!“ Ich reagierte, weniger wegen des Namens als wegen der Lautstärke, die mich aus meiner Erstarrung riss. „Na gut, taub bis du schon mal nicht. Also, jetzt sieh dich um. Was siehst du?“ Ich wusste nicht, was der Mutterhund mit der tiefen Stimme von mir wollte. Ich sah nämlich herzlich wenig. Hätte er mich wenige Augenblicke zuvor gefragt, hätte ich ihm die Bäume beschreiben können, ich hätte ihm die Büsche oder das Aussehen des Felsentores schildern können. Hier jedoch, in dieser Siedlung konnte ich außer den merkwürdigsten Geschöpfen wenig sehen. Also antwortete ich: „Komische Tiere!“ Der Hund verdrehte die Augen und schaute zu Zabaia. „Nein, der Platz. Beschreibe mir den Platz. Es ist wichtig! Beeil dich!“ „Graue Felsen mit großen Löchern drin. Sand!?“ „Gut, schon besser. Sieh nach vorne. Was siehst du hier? In der Mitte des Platzes.“ „Ein, äh, ein großer Felsen?“ „Ja“, antwortete er zögerlich, „genauer! Beschreibe, was du siehst!“ „Ein, also, ein grauer Felsen, der viel höher ist als ein großer Hund. Auf ihm wachsen grüne, äh, Dinger.“ „Gut!“ Mein Gegenüber wirkte schon etwas beruhigter. „Die Dinger, das sind Pflanzen, Moose und Flechten. Mach jetzt deine Augen zu und stelle dir den Felsen vor. Siehst du ihn?“ „Ich tat, was der Alte von mir verlangt hatte und sah den großen Stein. „In Ordnung. Und jetzt der Geruch. Lass die Augen zu und atme tief ein. Was riechst du?“ Ich beschrieb ihm, was ich roch.
Darauf gehe ich allerdings hier nicht näher ein, denn mit Ihrem unterentwickelten Riechorgan können Sie mit meinen Ausführungen nur sehr wenig anfangen.
Er schien damit zufrieden zu sein, denn er bemerkte: „Einverstanden! Kannst du dir alles vorstellen?“ Ich nickte. „Jetzt hör gut zu, die Sache ist ganz einfach: Immer wenn du müde wirst, stellst du dir diesen Geruch und dieses Bild, das du jetzt vor Augen hast, vor! Aber nicht nur ein bisschen, sondern sehr, sehr intensiv. Gleichzeitig musst du den unbedingten Wunsch verspüren, hierher zu wollen. Wenn du alles richtig machst, schläfst du ein und landest hier. An genau dieser Stelle. Verstanden?“ Er stieß mich mit der Schnauze an. Ich nickte. „Gut, dann bis zum nächsten Mal. Verschwinde jetzt.“
Freitag, 26. Februar 2010
Viele Fragen
Ja, ja, lieber Leser, Sie fragen sich natürlich, wie es jetzt weiter ging. An meiner Stelle hätten Sie jetzt natürlich einige bedeutende Fragen gestellt. „Was soll das Gequatsche von wegen ‚Er ist es’? Warum gibt es Wesen in den unterschiedlichsten Gestalten? Wieso sind die Pflanzen in dem Wald so groß? Wer ist Zabaia?“ Ich verstehe Sie! Das denkt man sich, wenn man ein Buch (Anmerkung des Ghostwriters: Zorban scheint ein Büchernarr zu sein. Er gibt vor, gerne und gut zu lesen und trägt sich tatsächlich mit dem Gedanken, aus diesen "Erinnerungen" ein Buch zusammenzustellen) liest! Bitte, schauen Sie nicht so, mit diesem „was weiß denn ein Hund schon von Büchern“-Blick. Ich weiß genug – nein – ich weiß fast alles von Büchern. Natürlich nicht aus dem erbärmlichen Leben, das ich hier, in Ihrer Welt führe. Nein, hier kommt es vielleicht einmal vor, dass ich vor dem Kamin liege und meinen Versorger eine Zeit lang beim Lesen beobachte, bevor ich in die richtige Welt hinüberschlummere. Was ich kann und weiß, habe ich in dieser, meiner Welt erfahren. Und zwar – aber nein – ich würde Sie nur verwirren, wenn ich jetzt weitererzählen würde, ich muss mich an die Reihenfolge halten!
Zurück zu den Fragen, die ich alle hätte stellen sollen. Natürlich habe ich das nicht getan und dies aus zwei Gründen. Erstens: Wie alt war ich denn? Acht Wochen! Ein Welpe – ein Baby, wie Sie sagen würden. In Menschenalter ausgedrückt irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr. Noch nicht lange der Mutterbrust entwöhnt, gerade einmal dazu in der Lage, die einfachsten Gesten und Laute zu deuten und von mir zu geben. Ich konnte mich wundern und ich konnte Angst haben. Damit wären wir auch schon beim zweiten Grund: Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt, als Godoan sich zurückzog, Angst gehabt. Und wenn ich Angst sage, dann meine ich Angst. Blanke Überlebensangst. Eine Angst, wie sie nur die wenigsten Menschen je kennen lernen. Ich war mir seit dem Eintritt in das Dorf sehr sicher, dass ich nur noch kurze Zeit überleben würde. Und auch nach der Sache mit Godoan wusste ich nicht so recht, ob ich denn beruhigt aufatmen könnte. „So junger Mann, jetzt mal gut zugehört,“ sprach mich eine tiefe Stimme an. Es war ein Hund, um genau zu sein, ein Hund, der mir sehr bekannt vorkam. „Nein, ich bin nicht deine Mutter, wäre auch ziemlich komisch, mit dieser Stimme. Aber ich habe der Einfachheit halber und damit du dich mal etwas entspannst, ihre Gestalt angenommen. Also aufgepasst, wie ich heiße und so weiter, das tut jetzt alles nichts zur Sache. Es muss jetzt vor allem erst einmal sehr, sehr schnell gehen.
Donnerstag, 25. Februar 2010
Godoan
Mittwoch, 24. Februar 2010
Ankunft im Dorf
Sie waren etwas kleiner als die Hündin, die mir vorauseilte, hatten jedoch gewaltige Brustkörbe. Ihre Fangzähne waren wesentlich größer als die gewöhnlicher Hunde. Ihr Fell war von einer undefinierbaren Färbung, in der alle Farben des Waldes enthalten zu sein schienen„Was hast du dabei, Zabaia?“ „Ich habe ihn gefunden.“ Die beiden begutachteten mich. „Das soll er sein? Er wirkt sehr unscheinbar.“ „Zabaia knurrte: „Was wollt ihr? Euch in meine Aufgaben einmischen? Lasst mich durch! Kümmert euch um eueren Dienst.“ Langsam und lautlos zogen die beiden sich zurück. Nach wenigen Sekunden waren sie wieder völlig mit dem sie umgebenden Blattwerk verschmolzen. Nur kurze Zeit später kamen wir zu einem hohen Felsen, der einen torähnlichen, etwa menschenhohen Eingang hatte.Ich bemerkte die Anspannung, die von Zabaia Besitz ergriffen hatte. Mit gesträubtem Nackenfell durchquerte sie den Einlass. Ich schlich ängstlich hinter ihr drein. Nach einigen Schritten kamen wir auf eine Lichtung. Meine Führerin blieb sofort stehen und sah sich witternd um. Ich setzte mich hinter sie und blickte vorsichtig um mich. Was ich nun sah, überraschte mich mehr als alles andere, das ich in diesem Traum erlebt hatte. Wie selbstverständlich hatte ich erwartet, auch hier nur auf Hunde zu treffen. Doch die Wesen, die ich vorfand, waren nur zum Teil hundeähnlich. Ich konnte andere Vierbeiner erkennen, die die Gestalt von großen Wieseln hatten, ich erblickte katzen- und vogelähnliche Lebewesen, ich sah große Säugetiere, die ich nicht kannte und ich erspähte auch Kreaturen, die sich auf zwei Beinen fortbewegten und Ähnlichkeit mit Menschen hatten. Die rege Geschäftigkeit, die noch bei unserem Eintritt geherrscht hatte, erstarrte langsam. Immer mehr der Geschöpfe beendeten ihre Tätigkeit und sahen zu uns. Einige bewegten sich schnüffelnd auf uns zu. Langsam bildete sich ein Halbkreis um uns. Es war totenstill. Man hätte einen Floh springen hören. Plötzlich kam Bewegung in die Menge.
Dienstag, 23. Februar 2010
Ein ungeheuerlicher Wald
Montag, 22. Februar 2010
Wie ich von meinem Namen erfuhr
Sonntag, 21. Februar 2010
Warum schlafen Hunde so viel?
Samstag, 20. Februar 2010
Anmerkungen des Ghostwriters
Andernfalls werde ich dich selbstverständlich töten und mich an deinen Eingeweiden laben.“ (Natürlich würde das keiner von uns je tun, das verhindert unser Ehrenkodex, ihre uns erforschenden Artgenossen nennen das „Beißhemmung“ – völliger Quatsch). So, jetzt ist es langsam so weit. Man wartet, ob der Andere es zum Äußersten kommen lassen wird. Ist man ungefähr gleich groß und gleich stark, kann es noch eine ganze Zeit lang so weiter gehen. Meist werden die Beleidigungen langsam abgeschwächt („für einen Zwergdackel hältst du dich ganz gut“), das Fell legt sich, man beruhigt sich, wird vielleicht sogar gut Freund („nerven dich deine ‚Herrchen’ auch so“, riechst du das Kaninchen, dürfte vor zwei Stunden und elf Minuten hier vorbeigelaufen sein“) und geht seiner Wege. Ist man noch jung, spielt man vielleicht noch zwei, drei Spielchen und freut sich aufs nächste Mal. In einigen Fällen jedoch gehen die Drohungen weiter und dann kommt es: „Du, äh, du, also du MENSCH!“ Sehr sicher kommt es dann zu tätlichen Auseinandersetzungen, man tut sich etwas weh, irgendwann ergibt sich der Andere, bleibt etwas auf dem Rücken liegen und zeigt mir seine Kehle, dabei sagt er, dass alles gut sei, er es wirklich nicht so gemeint habe, leckt ein bisschen mit der Zunge über seine Lippen, winselt vielleicht und wenn ich dann überzeugt bin, dass er es ernst meint, gehe ich weiter. Nicht, dass mir das Spaß macht, schätzen Sie mich bitte nicht so ein. Doch was geklärt werden muss ... und so weiter. Ah, natürlich, ich bitte Sie, das nicht falsch zu verstehen. „Mensch“, dieses Schimpfwort hat sich erst mit der Zeit herausgebildet. Unsere wild lebenden Vorfahren hatten das nicht nötig. Ob Mensch, Hyäne oder Geier, da gab es wenig Unterschiede. Sie waren halt da, zu wenig nütze, manchmal hat man sich über sie geärgert, weil sie Futter früher entdeckt haben, größere Gebisse oder Speere hatten. Den einen konnte man leichter vertreiben, den anderen eben etwas schwerer, beim nächsten musste man abwarten, bis er satt war. Kurz, man hatte keine besondere Beziehung zu diesen sich merkwürdig auf den Hinterläufen fortbewegenden Wesen. Ja aber, höre ich Sie dazwischenrufen, warum denn dann der Begriff „Mensch“ als Schimpfwort? Ich muss zugeben, ich weiß es nicht! Oft schon habe ich mir den Kopf zerbrochen. Aber ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich kann Ihnen jedoch die Gegenfrage stellen: Warum sagen Sie beispielsweise „Du blöder Hund“? Bitte, erklären Sie es mir! Sehen Sie, es fällt Ihnen schwer. Bemühen Sie sich nicht, ich kenne jede Antwort. Keine ist schlüssig, keine ergibt wirklich einen Sinn!
Freitag, 19. Februar 2010
"Menschen!"
Donnerstag, 18. Februar 2010
Die Geschichte beginnt...
Ja, geneigter Leser, wenn Sie mich hier so sehen könnten, wie ich gemütlich daliege, die Hinterpfoten weggestreckt, den Kopf auf meine Vorderbeine gelegt, die Augen leicht geschlossen, was mögen Sie von mir denken? „Sieh dir einer mal diesen bequemen Hund an“, wird der eine sagen, etwas neidisch vielleicht. „Fauler Köter!“, könnte der Gedanke des nächsten sein, „unnützer Fresser, Dreck machendes Stinkvieh!“, die Assoziation eines Anderen. Welche Einfälle könnten Ihnen kommen, wenn Sie mein „Herrchen“ bei einem der unzähligen Versuche beobachten könnten, mir etwas beizubringen. „Bring den Ball, Kuno. Komm, bring’s Bällchen. Schau, da ist’s Bällchen. Nimm’s!“ Mitleidig würden Sie ausrufen: „Lassen Sie es doch bleiben. Das hat doch keinen Sinn. Der Köter ist ja nicht nur stinkfaul, sondern auch noch dumm. Dumm wie Stroh.“ Sie würden den Kopf schütteln, wenn sie mich sähen, wie ich mein „Herrchen“ ansehen würde, mit heraushängender Zunge, scheinbar in freudiger Erwartung einer Belohnung, vielleicht eines Käsestückchens oder eines kleinen Stückchens Wurst. Allein die Aufgabe, die er mir stellt, scheine ich nicht zu verstehen. Nach einem kurzen Blick zu dem Ball, den er nur wenige Meter neben mir abgelegt hat, belle ich ihn immer wieder auffordernd an, als ob ich sagte: „Ich habe Hunger. Ich will das Käsestück in deiner Hand.“ Er probiert es natürlich immer wieder, wird ungeduldiger und lauter: „Komm jetzt! Bring’s!“ Ich sehe immer eindringlicher auf seine Hand, tu so, als ob ich nicht verstehe. Natürlich weiß ich, dass ich seine „Belohnung“, ein lächerliches kleines Stückchen, dass mir davon abgesehen nicht einmal sonderlich schmeckt, am Ende sowieso bekomme. Ball hin oder her. Pfötchen oder nicht. Selbstverständlich führe ich keines seiner Kunststückchen aus. „Sitz“ oder „Platz“: Unsinn! „Bei Fuss“: Lächerlich! „Aus“: Haha, nicht mit mir! Ich kann das alles, keine Frage. Ich hätte auch kein Problem, etwas auf Kommando auszuführen, aber damit würde ich gegen meine Überzeugung arbeiten. Ein Hund – nein – ein kluger Hund tut so etwas nicht. Ich rede hier nicht von Hunden, die Sie, verehrte Leser, vielleicht als solche bezeichnen würden. Sie wissen schon, diese Hütehunde, die 100 Gegenstände mit Namen kennen und sie auf Kommando bringen. Oder die kleinen Zirkushundchen, die Kinderwägen durch die Gegend schieben oder durch Rollen kriechen. Nein, das sind bemitleidenswerte Kreaturen, vermenschlichte Wesen, die keine Selbstachtung haben und darüber hinaus etwas dumm sind. Nein, der kluge Hund hält sich zurück, je klüger, desto mehr.