Ja, geneigter Leser, wenn Sie mich hier so sehen könnten, wie ich gemütlich daliege, die Hinterpfoten weggestreckt, den Kopf auf meine Vorderbeine gelegt, die Augen leicht geschlossen, was mögen Sie von mir denken? „Sieh dir einer mal diesen bequemen Hund an“, wird der eine sagen, etwas neidisch vielleicht. „Fauler Köter!“, könnte der Gedanke des nächsten sein, „unnützer Fresser, Dreck machendes Stinkvieh!“, die Assoziation eines Anderen. Welche Einfälle könnten Ihnen kommen, wenn Sie mein „Herrchen“ bei einem der unzähligen Versuche beobachten könnten, mir etwas beizubringen. „Bring den Ball, Kuno. Komm, bring’s Bällchen. Schau, da ist’s Bällchen. Nimm’s!“ Mitleidig würden Sie ausrufen: „Lassen Sie es doch bleiben. Das hat doch keinen Sinn. Der Köter ist ja nicht nur stinkfaul, sondern auch noch dumm. Dumm wie Stroh.“ Sie würden den Kopf schütteln, wenn sie mich sähen, wie ich mein „Herrchen“ ansehen würde, mit heraushängender Zunge, scheinbar in freudiger Erwartung einer Belohnung, vielleicht eines Käsestückchens oder eines kleinen Stückchens Wurst. Allein die Aufgabe, die er mir stellt, scheine ich nicht zu verstehen. Nach einem kurzen Blick zu dem Ball, den er nur wenige Meter neben mir abgelegt hat, belle ich ihn immer wieder auffordernd an, als ob ich sagte: „Ich habe Hunger. Ich will das Käsestück in deiner Hand.“ Er probiert es natürlich immer wieder, wird ungeduldiger und lauter: „Komm jetzt! Bring’s!“ Ich sehe immer eindringlicher auf seine Hand, tu so, als ob ich nicht verstehe. Natürlich weiß ich, dass ich seine „Belohnung“, ein lächerliches kleines Stückchen, dass mir davon abgesehen nicht einmal sonderlich schmeckt, am Ende sowieso bekomme. Ball hin oder her. Pfötchen oder nicht. Selbstverständlich führe ich keines seiner Kunststückchen aus. „Sitz“ oder „Platz“: Unsinn! „Bei Fuss“: Lächerlich! „Aus“: Haha, nicht mit mir! Ich kann das alles, keine Frage. Ich hätte auch kein Problem, etwas auf Kommando auszuführen, aber damit würde ich gegen meine Überzeugung arbeiten. Ein Hund – nein – ein kluger Hund tut so etwas nicht. Ich rede hier nicht von Hunden, die Sie, verehrte Leser, vielleicht als solche bezeichnen würden. Sie wissen schon, diese Hütehunde, die 100 Gegenstände mit Namen kennen und sie auf Kommando bringen. Oder die kleinen Zirkushundchen, die Kinderwägen durch die Gegend schieben oder durch Rollen kriechen. Nein, das sind bemitleidenswerte Kreaturen, vermenschlichte Wesen, die keine Selbstachtung haben und darüber hinaus etwas dumm sind. Nein, der kluge Hund hält sich zurück, je klüger, desto mehr.
Donnerstag, 18. Februar 2010
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