Montag, 22. Februar 2010

Wie ich von meinem Namen erfuhr

Hallo“, rufen Sie, „nicht einschlafen, da ist noch etwas offen. Was ist mit der Geschichte von der Rettung der Welt?“ Keine Angst, ich bin noch wach. Etwas Geduld, ich muss überlegen, wie ich anfange, damit auch Sie mich verstehen können. Es bedurfte übrigens großer Überwindung, diesen Schritt an die Öffentlichkeit zu tun. Meine Artgenossen wollten mich abhalten, vermutlich werden sie mich ganz gegen ihre Natur zerfleischen, während Sie dieses Buch in Händen halten. Warum, das werden Sie später verstehen. Doch lassen Sie uns von vorne beginnen. Vielleicht ist es sinnvoll, wenn ich Ihnen erst einmal meine Welt erkläre. Nein, vorher nenne ich Ihnen noch meinen Namen. „Den kenne ich schon“, entgegnen Sie, „du erwähntest bereits, dass du Kuno heißt.“ „KUNO“, so nennt mich mein zweibeiniger Gassiführer, seinen wahren Namen erhält ein Hund jedoch in der Schlafwelt, so ungefähr im Alter von acht Wochen, wenn er die ersten aktiven Träume hat. Gerne erzähle ich, wie das bei mir war und hoffe gleichzeitig, dass Sie mir die Sentimentalität, die in den kommenden Zeilen mitschwingt, verzeihen werden. Wie gesagt, ich dürfte um die acht Wochen gewesen sein. Ich wurde gerade von meiner leiblichen Mutter und meinen Nestgeschwistern, mit denen ich eine überaus sorgenfreie Kinderzeit auf einem Bauernhof verbringen durfte, getrennt und verbrachte die ersten Nächte neben dem Bett meines Zweibeiners, als ich im mich im Schlaf plötzlich in einem dichten Wald befand. Sicher dachte ich mir nichts Besonderes dabei, ich hatte durchaus auch schon vorher intensive Traumerlebnisse.
Nun, ich war im dichten Unterholz und nahm wahr, dass ich mich hinter einer großen Fichte versteckte. Plötzlich wurde ich vorsichtig von hinten angestoßen. „ZORBAN“, vernahm ich eine sanfte Stimme, „hier bist du ja.“ Freudig drehte ich mich um und sah eine sehr große Hundedame, die hinter mir stand. Ich wollte gerade antworten, als sich ihr Blick auf etwas hinter mir richtete und sich ihre Gesichtszüge verhärteten. „Ruhig“, flüsterte sie, „wart ab.“ Ich sah wieder nach vorne und konnte ein überaus merkwürdiges Wesen erkennen. Es sah aus wie eine Mischung aus einem Wildschwein und einem Dachs. Der Kopf war mit zwei riesigen Hauern besetzt, die aus einem unansehnlichen Maul herausragten. Seine Beine jedoch waren kurz, der Körper war ähnlich dem eines Dachses schwarzweiß gestreift und es bewegte sich schnüffelnd und kriechend, immer wieder laute Schmatzgeräusche von sich gebend, durch das Unterholz. Nachdem das Wesen aus meinem Blickfeld verschwunden war, drehte ich mich vorsichtig um. Inständig hoffte ich, dass die große Hündin noch da wäre. Ich konnte sie nicht gleich sehen, da sie sich etwas zurückgezogen hatte, und durch ihre Färbung fast übergangslos mit den sie umgebenden Zweigen, Ästen und Blättern verschmolzen war.

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