Samstag, 27. Februar 2010

Der Mutterhund

Ich werde dir zeigen, wie du immer, wenn du einschläfst, sicherstellst, dass du hier, in unserem Lager, landest. Und das musst du verstanden haben, bevor du aufwachst, sonst geht nämlich die ganze Sucherei wieder von vorne los. Verstanden, Zorban?“ Ich glotzte verständnislos. „ZORBAN!“ Ich reagierte, weniger wegen des Namens als wegen der Lautstärke, die mich aus meiner Erstarrung riss. „Na gut, taub bis du schon mal nicht. Also, jetzt sieh dich um. Was siehst du?“ Ich wusste nicht, was der Mutterhund mit der tiefen Stimme von mir wollte. Ich sah nämlich herzlich wenig. Hätte er mich wenige Augenblicke zuvor gefragt, hätte ich ihm die Bäume beschreiben können, ich hätte ihm die Büsche oder das Aussehen des Felsentores schildern können. Hier jedoch, in dieser Siedlung konnte ich außer den merkwürdigsten Geschöpfen wenig sehen. Also antwortete ich: „Komische Tiere!“ Der Hund verdrehte die Augen und schaute zu Zabaia. „Nein, der Platz. Beschreibe mir den Platz. Es ist wichtig! Beeil dich!“ „Graue Felsen mit großen Löchern drin. Sand!?“ „Gut, schon besser. Sieh nach vorne. Was siehst du hier? In der Mitte des Platzes.“ „Ein, äh, ein großer Felsen?“ „Ja“, antwortete er zögerlich, „genauer! Beschreibe, was du siehst!“ „Ein, also, ein grauer Felsen, der viel höher ist als ein großer Hund. Auf ihm wachsen grüne, äh, Dinger.“ „Gut!“ Mein Gegenüber wirkte schon etwas beruhigter. „Die Dinger, das sind Pflanzen, Moose und Flechten. Mach jetzt deine Augen zu und stelle dir den Felsen vor. Siehst du ihn?“ „Ich tat, was der Alte von mir verlangt hatte und sah den großen Stein. „In Ordnung. Und jetzt der Geruch. Lass die Augen zu und atme tief ein. Was riechst du?“ Ich beschrieb ihm, was ich roch.

Darauf gehe ich allerdings hier nicht näher ein, denn mit Ihrem unterentwickelten Riechorgan können Sie mit meinen Ausführungen nur sehr wenig anfangen.

Er schien damit zufrieden zu sein, denn er bemerkte: „Einverstanden! Kannst du dir alles vorstellen?“ Ich nickte. „Jetzt hör gut zu, die Sache ist ganz einfach: Immer wenn du müde wirst, stellst du dir diesen Geruch und dieses Bild, das du jetzt vor Augen hast, vor! Aber nicht nur ein bisschen, sondern sehr, sehr intensiv. Gleichzeitig musst du den unbedingten Wunsch verspüren, hierher zu wollen. Wenn du alles richtig machst, schläfst du ein und landest hier. An genau dieser Stelle. Verstanden?“ Er stieß mich mit der Schnauze an. Ich nickte. „Gut, dann bis zum nächsten Mal. Verschwinde jetzt.“