Mittwoch, 17. März 2010

Belehrungen

Nun, ich könnte dir hier einiges erzählen. Ich könnte dir hier zum Beispiel erklären, dass die Domestizierung des Wolfes – ein Tier, das ich zugegebenermaßen nicht besonders mag, das jedoch trotz des Umstandes, dass es sich bei ihm um ein Rudeltier handelt, also um ein Tier, bei dem von Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein nicht die Rede sein kann, immer noch frei und wild war – also, dass die Domestizierung des Wolfes ein Wesen hervorgebracht hat, welches gemessen an allen Tieren, die in der Freiheit leben, und ich rede hier nicht nur von Säugetieren, nein, ich rede auch von niederen Tieren wie Ameisen oder Spinnen, meinetwegen auch von Flöhen oder Läusen, das ärmste und bedauernswerteste Wesen ist, das unsereins sich vorstellen kann.“ Ich konnte ihm nicht folgen, mein Kopf wurde immer heißer. „Siehst du, der Hund ist ein Geschöpf des Menschen. Das gibt es kein zweites Mal. Du könntest einwerfen ‚Was ist mit der Katze? Oder dem Schwein?’, aber das ist natürlich Unsinn. Die Katze lebt ihr Leben. Sie ist mir ähnlicher. Ach, manchmal erschüttert es mich richtig gehend, dass ich eine solch unmögliche Verwandtschaft habe. Ich: ein Hundeartiger. Oder anders herum: Der Hund, der Schakal, der Koyote, der afrikanische Wildhund mit mir verwandt. Meinetwegen noch der Marderhund. Aber was solls! Warum erzähle ich dir das?“ Ich sah ihn begriffsstutzig an. „Das Schwein,“ fuhr er fort, „gezüchtet, um Fleisch zu liefern. Das macht wenigstens noch Sinn. Aber untergeordnet, so wie deinesgleichen, hat sich das Schwein nie. Vielleicht wird es zahm, aber die Ergebenheit, die völlige Aufgabe der eigenen Persönlichkeit wirst du bei einem Schwein nicht finden! Das könnt nur ihr. Schwächlinge!“

Ich mag keine Füchse!!

„Äh, wars das?“

„Wars das. Wars das. Nein, natürlich nicht! Noch lange nicht. Überhaupt nicht. Das wars noch lange nicht. Aber, ist ja auch egal. Warum gebe ich mich mit dir ab? Warum vergeude ich meine Zeit damit, dir etwas über die Geschichte deiner Art zu erzählen? Über die historischen Hintergründe der Domestikation. Über deinen Urahnen. Über unsere gemeinsamen Vorfahren. Über unsere Gemeinsamkeiten und unsere Verschiedenheiten. Warum sollte ich dir Möglichkeiten aufzeigen, wie man trotz einer Prägung auf den Menschen noch ein eingeständiges und selbstverantwortliches Leben führen könnte? Das ist doch gar nicht mein Job. Ich habe doch eine völlig andere Aufgabe. Dich finden, Aufgabe erledigen, wieder abhauen. Das wärs gewesen. Ganz einfach.“