Dienstag, 23. Februar 2010

Ein ungeheuerlicher Wald

Was war das?“, fragte ich leise. Nach einigen Augenblicken antwortete sie: „Das erkläre ich dir später! Folge mir jetzt – leise!“ Während ich der geschmeidigen Hundedame hinterher stolperte, kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Alles, was ich hier entdeckte, hatte so gar nichts mit der Welt zu tun, die ich bisher kennen gelernt hatte. Bäume, wie sie mir bis zu diesem Zeitpunkt bekannt waren, erschienen winzig neben den Baumungeheuern, in deren Schatten wir uns bewegten. Blumen, Büsche und Pflanzen dagegen hatten die Größe von 100-jährigen Eichen in unserer Welt. Allerlei Kleingetier krabbelte zwischen unseren Füßen, Vögel flogen in den Büschen, Tiere sprangen zwischen Zweigen hin und her, alles begleitet von einem immer wieder anschwellenden Gekreische und Geschreie. Wäre meine Begleiterin nicht gewesen, ich hätte mir einen Platz in einer großen Wurzel gesucht und wäre wimmernd gestorben. Nach einer geraumen Zeit erkannte ich, dass wir nicht mehr durch das Unterholz stolperten, sondern uns auf einer Art Pfad fortbewegten. Ein Pfad freilich, der für ein menschliches Auge nicht erkennbar gewesen wäre, sondern mehr aus Gerüchen bestand, die mir anzeigten, dass sich hier regelmäßig Lebewesen fortbewegten. Unvermittelt hielt die große Hündin an und drehte sich zu mir um. „Wir werden in kurzer Zeit zu unserem Lager kommen. Du redest nicht, wenn du nicht gefragt wirst, du tust nur das, was ich dir sage, du bleibst immer genau hinter mir. Hältst du dich nicht an meine Anweisungen, könnte dein Leben in dieser Welt bereits heute vorbei sein.“ Damit drehte sie sich um und ging vorwärts. Erschöpft und verängstigt versuchte ich mit ihr Schritt zu halten. Der Pfad wurde immer breiter und nahm langsam die Ausmaße eines Waldweges an. Die Bäume wurden niedriger und standen nicht mehr so dicht wie bisher. Schattige Stellen wechselten sich immer häufiger mit sonnenbeschienenen ab. Plötzlich sprangen zwei hundeähnliche Wesen zu beiden Seiten des Pfades hervor und stellten sich uns in den Weg.