Bendor dachte nach. Ich setzte gerade an, um eine weitere Frage zu stellen, als ich ein starkes Ziehen verspürte. Eine Stimme rief, ich bemerkte, dass etwas an mir rüttelte.„Ja was ist, Kuno? Wach jetzt endlich auf, du Schlafmütze. Spazieren gehen!“ Ich dehnte mich, schüttelte mich und konnte nicht anders, als mein Herrchen erwartungsvoll mit heraushängender Zunge anzusehen. In der nächsten Zeit vergaß ich Speranza, dachte nicht mehr an die Geschichten Bendors. Meine körperliche und geistige Entwicklung nahmen mich voll in Anspruch und ich muss zugeben, dass ich mich äußerst wohl fühlte. Ich hatte einen zweibeinigen Begleiter, der mir gute Dinge zu essen gab, lange Spaziergänge mit mir unternahm und mich vor dem warmen Kamin schlafen ließ. Vermutlich wäre ich nicht mehr zurückgekehrt, wäre mir bei einem Ausflug nicht etwas höchst Sonderbares geschehen. Ich dürfte wohl ein gutes halbes Jahr alt gewesen sein, als ich in einem großen Wald eine Witterung wahrnahm, die mich zwang, alles andere um mich herum zu vergessen und nur noch dieser unglaublich wohlriechenden Spur zu folgen. Es war das erste Mal, dass sich mein Jagdtrieb zeigte. Sicher bin ich vorher allen möglichen Dingen, die sich bewegten, hinterher gerannt, habe versucht, Insekten, Frösche, Mäuse und anderes Kleingetier zu fangen, aber eine richtige Spur hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie aufgenommen. Kurzum, ich verfolgte also diesen Geruch, erkannte, wie er einmal stärker, dann wieder schwächer wurde, einmal verschwunden war, um nach kurzer Suche wieder aufzutauchen. Die Rufe meines menschlichen Begleiters nahm ich nicht mehr bewusst wahr, immer tiefer tauchte ich in das Dickicht ein. Es ist natürlich meiner Unerfahrenheit zuzuschreiben, dass ich das Reh, dessen Geruch ich folgte, nicht zu Gesicht bekam. Als ich nach einiger Zeit eingesehen hatte, dass es keinen Sinn mehr machte, weiterzusuchen, blieb ich stehen, um etwas auszuschnaufen und mich dann auf den Rückweg zu machen. Plötzlich hörte ich eine Stimme: „He!“ Ich sah mich um. „Bist wohl blind, oder?“ Ich musterte meine Umgebung, schaute nach oben, schnüffelte auf dem Boden, witterte in der Luft, versuchte im Unterholz vor mir etwas zu erkennen. Ich verspürte zwar einen unangenehmen Duft, konnte ihn jedoch nicht zuordnen.
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